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Kreativ und innovativ: Unabhängige Verlage aus China auf der Buchmesse

Man könnte es eine Sensation nennen: Erstmals präsentieren sich unabhängige chinesische Verlage mit einem Gemeinschaftsstand in Frankfurt.

Zu entdecken gibt es eine weitgehend unbekannte, dafür umso kreativere Szene.

Noch dominieren die rund 570 staatlichen Verlage den chinesischen Buchmarkt - doch die unabhängigen Verlage gewinnen zunehmend an Bedeutung. "Mehr als 80 Prozent der wirklich guten Bücher in China werden von unabhängigen Verlagen gemacht", sagt Dr. Jing Bartz, Leiterin des Buchinformationszentrums (BIZ) Peking der Frankfurter Buchmesse, "sie sind kreativer und professioneller." Zwölf von ihnen stellen ihre Produkte auf dem Gemeinschaftsstand in Halle 6.0 D 934 auf der Frankfurter Buchmesse aus. Drei dieser - laut Bartz - "wirklich guten Büchermacher" präsentierten sich heute Vormittag im Rahmen der Veranstaltung "Today & Tomorrow: Independent Publishing in China" im Forum Dialog.

Die Verlegerin Han Yan, stellte die auf Wirtschaftsbücher spezialisierte Beijing Cheers Books Company vor. "Einen unabhängigen Verlag in China zu betreiben, ist eine große Herausforderung", betonte sie. Nach wie vor werden private Verlage in China offiziell als "culture agency" oder "culture company", Kulturfirma, geführt. Für die Publikation ihrer Titel sind sie auf die Kooperation mit Staatsverlagen angewiesen - denn nur diese offiziellen Verlage verfügen über ISBN und damit über das Recht zu veröffentlichen. "Aber wir können unser Logo auf den Buchumschlag setzen", so Han weiter.

Aus dem Schatten treten

Die "graue Verlagswelt", wie der ehemalige Direktor der Frankfurter Buchmesse Peter Weidhaas sie in einem Gespräch am Rande der Veranstaltung nannte, ist schon lange existent. Doch sie war bislang - im Schatten der übermächtigen Staatsverlage - nahezu unsichtbar. Dass sich die Verlage nun endlich in Frankfurt präsentieren können, ist in den Augen von Weidhaas nicht nur ein "Fortschritt", es ist auch Ergebnis der nicht nachlassenden Bemühungen der Frankfurter Buchmesse und des BIZ Peking.
Auch das Internet spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle: In dessen Verbund beginnen die unabhängigen Verlage, den Staatsverlagen Konkurrenz zu machen. Denn sie sind nicht nur kreativer, sondern auch in Bezug auf digitale Medien viel weiter als ihre staatlichen Kollegen. Das Internet biete chinesischen Verlegern neue Möglichkeiten, interessante Autoren zu entdecken, sagte der Verleger Ram Yang. Er selbst hat auf diese Weise die junge Bloggerin An Yiru entdeckt, deren Bücher mittlerweile Bestseller in Millionenauflage sind. Untersuchungsergebnisse des BIZ Peking und des chinesischen Branchenmagazins Publishing Today, laut denen durchschnittlich 20 Prozent der Bestsellertitel des vergangenen Jahres ursprünglich aus dem Cyberspace stammten, bestätigen die Aussage des Verlegers.

Mit rund 30.000 Neuerscheinungen pro Jahr werden ungefähr 15 Prozent der chinesischen Titel bereits heute von privaten Verlagen publiziert, berichtete Xue Ye, President of the China Private Book Industury Committee, das zusammen mit dem BIZ Peking den Gemeinschaftsstand organisiert. Nicht nur national spielen sie eine immer größere Rolle. Auch im internationalen Rechte- und Lizenzgeschäft sind die unabhängigen Verlage in China aktiv.
Worauf man beim Verhandeln mit chinesischen Vertragspartner achten sollte, wo und wie man geeignete Titel findet, darüber informierte die Anschluss-Veranstaltung "How to buy Chinese Rights", die in der Clients Lounge in Halle 4.1 auf der Messe stattfand. Internationale Experten diskutierten Fallstricke und gaben wertvolle Tipps für die Praxis.

Im Laufe der Fachbesuchertage geben eine Reihe weiterer Veranstaltungen Einblicke in die spannende chinesische Verlagslandschaft - und machen damit schon jetzt Lust auf den Ehrengastauftritt Chinas im kommenden Jahr.

Zum FBM-Newsletter-Beitrag und den Reden der vier Teilnehmer gelangen Sie hier: weitere Information

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